Heilig-Geist Kirchen-Gemeinde Wolterdingen

Geschichte

Die Geschichte unserer Kirche

Die Heilig-Geist-Kirche steht in Wolterdingen, einem Ortsteil von Soltau.
Die Kirche soll, gemäß der Überlieferung des Stader Generalsuperintendenten Johann Hinrich Pratje aus dem Jahr 1774, bereits 1245 von der Familie Lindhorst gestiftet worden sein. Sie ist dem Heilig Geist gewidmet und war eine selbstständige Patronatskirche. Laut Pastor Asmus, Wolterdinger Pfarrer 1947 bis 1974, ist die Gründung jedoch auf die Adelsfamilie Schlepegrel zurückzuführen.

In welchem Jahr unsere Kirche erbaut wurde, lässt sich nicht mehr feststellen. In einer Lüneburger Urkunde von 1394 wird sie erstmals erwähnt. Anfangs des 16. Jahrhunderts, d.h. noch in katholischer Zeit, wurde sie eine zum Stift Verden gehörende Pfarrkirche. Kurze Zeit später wurde das evangelisch-lutherische Bekenntnis eingeführt. Der Name Heilig-Geist-Kirche hat sich aus der ältesten Zeit bis heute erhalten.

Diese Kirche hat im Jahr 1998 die gründlichste restauratorische Untersuchung ihrer Geschichte erlebt. Die Gemeinde hat weder Mühen noch Kosten gescheut, ihre Kirche statisch zu sanieren, sowie außen und innen nach den strengen Maßstäben des Denkmalschutzes zu renovieren. Am 27.8.2000 wurde sie feierlich wieder eingeweiht. Die Restaurierung des Turmes wurde im Jahre 2001 abgeschlossen.
Quelle: Innenansicht der Kirche

Zur Orientierung

Unsere Kirche ist - wie die meisten alten Kirchen - nach Osten ausgerichtet. Nach biblischer Tradition wird erwartet, dass von Osten her, wo die Sonne aufgeht, Jesus Christus kommt zum Gericht und zur Erlösung.

Der Altarschrein

Die geschnitzten Figuren sind um 1450 von einem unbekannten Künstler gestaltet worden. 1974 fertigte der Holzbildhauer Brüggemann den jetzigen Schrein mit modern nachempfundenem Maßwerk an.
Die Darstellung in der Mitte wird Gnadenstuhl genannt. Sie zeigt Gott, den Vater. Er hält der Welt seinen gekreuzigten Sohn Jesus Christus entgegen und nimmt damit zugleich in seinem Sohn alle leidenden und geschundenen Menschen auf seinen Schoß.

Links davon steht Maria mit dem Jesuskind. Sie ist gekrönt als Himmelskönigin dargestellt.

Auf der anderen Seite steht Maria Magdalena, die Jesus mit kostbarem Öl gesalbt hat. Dadurch gab sie ihm Mut, den Weg ins Leiden anzutreten (Markus 14 und Johannes 12). Sie ist als selbstbewusste reiche Frau mit einem kostbaren Salbengefäß dargestellt.

Unter den kleinen Figuren in den Seitenflügeln lassen sich drei Apostel identifizieren: Johannes (junger Mann mit Kelch), Andreas (X-förmiges Kreuz) und Jakobus der Ältere (Pilgerstab und Muschelhut).

Hinter dem Altar sind zwei Jugendstilfenster von 1927 verborgen. Sie beziehen sich auf die beiden Sakramente der evangelischen Kirche: Taufe und Abendmahl. Die herabstoßende Taube im linken Fenster symbolisiert den Heiligen Geist, den Namenspatron unserer Kirche.

Die Malereien

Auf das Wiederkommen Christi weist auch das Medaillon an der Dachschräge über dem Altar hin. Es stellt Christus als Weltenherrscher dar. Seine Rechte hat er zum Segen erhoben. Das aufgeschlagene Buch in seiner Linken zeigt den ersten und den letzten Buchstaben des griechischen Alphabets: “Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende” (Offenbarung 22, 13).
Die beiden umgebenden Medaillons setzen den kommenden Erlöser mit der sonntäglichen Abendmahlsfeier in Beziehung: Der lebendige Christus verschenkt sich selbst in Brot und Wein an die feiernde Gemeinde. Das linke Bild spielt dabei auf die Speisung der Fünftausend an (Lukas 9, 10-17). Der Fisch erinnert zudem an das urchristliche Bekenntnis “Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter” (griechisch ICHTHYS = Fisch). Die kraftvolle Darstellung deutet das Abendmahlsbrot als Quelle der Lebenskraft. Die beiden flügelschlagenden weißen Tauben auf dem rechten Bild deuten den Abendmahlswein als Quelle der Erlösung und Lebensfreude.

An den Schrägen der Seitenwände schließen sich die Darstellungen der vier Evangelisten mit ihren (nach Hesekiel 1, 10 gestalteten) Symbolgestalten an: Zu Matthäus gehört der geflügelte Mann, zu Markus der Löwe, zu Lukas der Stier und zu Johannes der Adler.

Anlässlich der Renovierungsarbeiten wurden 1998 Reste gotischer Wandmalereien entdeckt und anschließend behutsam freigelegt. Es sind vorwiegend florale Ornamente und Sterne. In der Südwand über der ehemaligen Eingangstür erkennt man den gekreuzigten Christus und eine rot gewandete Stifterfigur. Ihr Gegenstück wurde ergänzt. Auch über der Sakristeitür sind Reste einer figürlichen Malerei zu sehen, vermutlich Jesus mit seinen Jüngern beim Abendmahl.

Die Orgel

wurde 1958 von der Firma Emil Hammer unter Verwendung von Pfeifen eines älteren Instruments gebaut. Sie hat 13 klingende Stimmen auf zwei Manualen und Pedal. Mit Ihrem neobarocken Klangideal ist sie ein inzwischen selten gewordenes Zeitdokument für den Orgelbau der Nachkriegszeit. 2014 wurde sie von Orgelbaumeister Feopentow gründlich überarbeitet und neu intoniert.

Die Bibel von 1480

Nur zu besonderen Anlässen wird die historisch wertvolle Altarbibel präsentiert, sonst wird sie im Schließfach einer Bank aufbewahrt. Die Inkunabel (Wiegedruck) wurde im Jahr 1480 in der Werkstatt des Nicolaus Götz von Schlettstadt in Köln gedruckt. Sie hat auf jeder Seite zwei Kolumnen mit je 42 Zeilen, die Initialen in blau und rot sind handgemalt. Bei dem Kölner Wiegedruck handelt es sich um eine Ausgabe der Vulgata, der lateinischen Bibelübersetzung des Kirchenvaters Hieronymus. Sie ist mit verschiedenen Vorreden des Kirchenvaters versehen.

Der Glockenturm

Der Glockenturm mit vier Glocken wurde 1417 erbaut. Die älteste Glocke wurde bereits 1350 gegossen, die zweitälteste stammt aus dem Jahre 1587 und trägt die Inschrift „Help Got tu Er unde Selicheit“. Die beiden großen Glocken sind 1974 gegossen worden. 2001 wurde der Turm restauriert.

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Das Taufbecken
wurde zwischen 1400 und 1430 in einer unbekannten Bronzegießerei hergestellt. In dieser Zeit wurden die Kinder bei der Taufe noch ganz untergetaucht. Die Außenwand der Erztaufe ist mit zahlreichen Reliefs geschmückt, u.a. einem Symbol des Kölner Doms. Dieses Spiegelzeichen zeigt die Anbetung der Gottesmutter durch die Heiligen Drei Könige. Andere Zeichen mit der Darstellung eines Gnadenstuhls aus Werl und ein Pilgerzeichen aus Thann weisen auf Wallfahrtsorte hin, die seit dem späten 14. Jahrhundert beliebt waren. Weitere Reliefs sind ein Löwenmedaillon, Symbol des Evangelisten Markus, ein geflügelter Stier als Zeichen des Evangelisten Lukas und ein Adler, Symbol des Evangelisten Johannes. Andere Plaketten zeigen den Apostel Paulus mit erhobenem Schwert, die Apostel Petrus und Paulus, die thronende Gottesmutter sowie Rhombus und Rose. Seit der Reformationszeit wird eine Messingschale, die in das Taufbecken eingesetzt wird, für die Taufen benutzt.

Der Kanzelkorb

ist aus dem 1891 errichteten und 1925 abgebrochenen Kanzelaltar unserer Kirche erhalten geblieben.

Der Sakramentsschrein

war bis 1999 in einer Nische im Altarraum untergebracht. (Daran erinnert dort die Holztür und darüber der mandelförmige Heiligenschein als Rest einer vermutlichen Darstellung Christi als des auferstandenen Herrn.) Jetzt hat er seinen Platz unter der Nordempore erhalten. Außen und innen ist die originale Farbfassung des 15. Jahrhunderts erhalten. Die eine Seite zeigt zwei Engel, die eine reich gegliederte Monstranz tragen. Dieses Bild nimmt Bezug auf das (römisch-katholische) Fronleichnamsfest und wurde im 17. Jahrhundert durch Bilderstürmer braun übermalt. Im Zuge der Restaurierung ist die Übermalung entfernt worden. Die bisher in der Mauernische verborgen gewesene Seite zeigt Jesus Christus als Überwinder des Leidens: von Wunden übersät und mit Dornen gekrönt, aber mit den Marterwerkzeugen Rute und Geißel in seinen Händen und mit einem Gesicht voller Liebe und ohne Bitterkeit. Die in Wolterdingen gefertigte schmiedeeiserne Pforte erinnert mit der Taube an den Namenspatron der Kirche.